Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist das umfangreichste und vielleicht ambitionierteste literarische Projekt der Moderne. Marcel Proust hat in sieben Bänden (1913–1927) eine Reise durch die Erinnerung geschrieben, die nicht nur autobiographisch ist, sondern eine vollständige Theorie des Erlebens und der Kunst enthält. Der berühmte "erste Satz" mit der Madeleine — das unwillkürliche Gedächtnis, das durch ein sensorisches Erlebnis aufgeweckt wird — ist nur der Auftakt zu einer Exploration des Bewusstseins, der sozialen Welt der Belle Époque, der Kunst und des Verlusts.
Prousts Sätze sind legendär für ihre Länge und Komplexität — manche umfassen eine ganze Seite —, aber diese Komplexität ist kein Ornament, sondern die Form, in der Proust denkt: spiralförmig, auf Widerruf, jeden Gedanken durch seine Ausnahmen und Nuancen qualifizierend. Diese syntaktische Architektur ins Deutsche zu übertragen war Eva Rechel-Mertens' Lebenswerk.
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit — Übers. Eva Rechel-Mertens u. a. (Suhrkamp)
Die kanonische deutsche Übersetzung — Jahrzehnte lang der Standard für deutschsprachige Leser
Eva Rechel-Mertens war die Hauptübersetzerin von Prousts Zyklus für Suhrkamp — ein Lebenswerk, das sie in den 1950er und 1960er Jahren zu einem wesentlichen Teil geleistet hat und das die späteren Bände von anderen Übersetzerinnen ergänzt und abgeschlossen wurde. Die Suhrkamp-Ausgabe ist heute die kanonische Form, in der deutschsprachige Leser Proust lesen: Sie bewahrt die Länge und Komplexität von Prousts Sätzen und gibt ihnen ein Deutsch, das diese Komplexität trägt, ohne sie zur bloßen Imitation zu machen. Für alle, die die Suche ernsthaft beginnen wollen, ist dies die empfehlenswerte Ausgabe.
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Auf der Suche nach der verlorenen Zeit — neuere Teilübersetzungen (Reclam u. a.)
Alternative Übersetzungen für einzelne Bände — für Vergleich und Neuentdeckung
In den letzten Jahren sind für einzelne Bände von Prousts Zyklus neue deutsche Übersetzungen entstanden — etwa Bernd-Jürgen Fischers Neuübersetzung einiger Bände bei Reclam. Diese Neuübersetzungen bieten interessante Alternativen zu Rechel-Mertens und geben dem modernen Leser einen anderen Zugang zum Text. Ein Vergleich der ersten Seite von "Swann" in beiden Versionen zeigt, wie unterschiedlich Übersetzer mit Prousts Satzkonstruktionen umgehen können. Für Proust-Liebhaber sind diese Alternativen eine wertvolle Ergänzung; für Erstleser empfehlen wir Rechel-Mertens als Einstieg.
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Auf der Suche — Einstieg mit dem ersten Band: "In Swanns Welt"
Wie man Proust beginnt — und warum der erste Band allein lesbar ist
Für Leser, die Proust ausprobieren wollen, ohne sich an sieben Bände zu binden, empfehlen wir, mit dem ersten Band "In Swanns Welt" zu beginnen — er enthält die berühmte Madeleine-Szene und den ersten langen Einschub "Un amour de Swann" und ist, auch wenn er nicht vollständig abgeschlossen ist, ein eigenständiges Leseerlebnis. Rechel-Mertens' Übersetzung dieses Bands ist bei Suhrkamp als Einzelband erhältlich. Wer nach dem ersten Band mehr will, wird das gesamte Werk lesen wollen; wer es dabei belässt, hat trotzdem etwas Unvergessliches gelesen.
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